Einige Impressionen meiner Indienreise nicht nur für Indienfans...

 23.11.2007 - 27.12.2007

Meine Reise begann am Fuße des heiligen Bergs Arunachala (800m) im Süden Indiens. Der Berg ist Gott Shiva selbst, er beherbergt zahlreiche Tempel und Ashrams. 

Unter anderem lebte hier Sri Ramana Maharshi (geb. 29.12.1879, gest. 15.4.1950), dessen Ashram noch immer viele Besucher anzieht.

In der Höhle unter diesem Felsen ("Skandashramam") hoch auf dem Berg Arunachala verbrachte Ramana mehr als 20 Jahre in Meditation.

"Es sind die Welt und die in ihr enthaltenen Objekte, die unsere Leidenschaft erregen. Aber die Welt und genauso die Objekte werden lediglich durch unsere Verstandestätigkeit erschaffen. Wenn wir schlafen, hören sie auf für uns zu existieren." 

"Wir machen uns Gedanken über Vergangenheit und Zukunft und realisieren nicht, dass die reine Wahrheit im gegenwärtigen Augenblick liegt."

(Ramana Maharshi)

 

Am Fuße des Berges Arunachala liegt die Stadt Tiruvannamalai mit einer der größten Tempelanlagen Indiens, die sich über 10 Hektar erstreckt. Der Arunachalesvar Tempel geht in seiner Entstehungszeit auf das 11.Jh. zurück und ist auch heute noch ein sehr bedeutendes Pilgerzentrum besonders für Shivaiten.

Mit dem Expressbus vom Altertum in die Gegenwart führte mich meine Reise nach einigen Tagen. Nicht nur große Tempel, sondern auch der Busbahnhof von Tiruvannmalai liegt am Fuße des Berges Arunachala, auf dessen Spitze nachts täglich ein großes Feuer entzündet wird.

Mein Ziel war Bangalore, die Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka und der "Art of Living" Ashram von Shri Shri Ravi Shankars, einem zur Zeit in Ost und West sehr populären indischen spirituellen Lehrer. Sogar im indischen Fernsehen lief Werbung für das Zentrum und Menschen jeden Alters aus allen Teilen Indiens traf ich hier an. Alle waren neugierig. Spiritualität ist ein lebendiger Teil der indischen Kultur und man verwendet viel Zeit darauf, um sich weiter zu entwickeln, die Gebete zu verrichten und die Opfergaben darzubringen. 

Im Ashram verbrachte ich 4 Tage und übte während eines Kurses zusammen mit ca. 35 Personen Yoga und Pranayama (Atemkontrolle). Shri Shri Ravi Shankar selbst war nicht zu sehen, denn er weilte  - Ironie des Schicksals-  gerade in Deutschland. Der Vorteil war, dass es im Ashram relativ ruhig war und es genügend Platz zum Schlafen und Essen gab.

Hier die Kursteilnehmer ...

... und hier die beiden Lehrenden, in der Mitte das Foto von Shri Shri Ravi Shankar

.

Genauso wie die spirituellen Kursinhalte beeindruckte mich der nach den Kriterien der artgerechten Tierhaltung betriebene Kuhstall des Ashrams. Fazit: im Ashram haben Kühe mehr Platz als Menschen!

Weiter ging die Reisein den ehemaligen Fürstenstaat Mysore, wo der Sage nach die Göttin Chamundi den furchtbaren Dämon Mahisuru erschlagen hat. Ihr zu Ehren wurde auf dem Gipfel des 1062m hohen Berges Chamundi Hill der Chamundesvari Tempel gebaut.

 

 Mehr als 1000 Stufen führen zum Tempel hinauf vorbei an der 5m hohen Skulptur des Bullen Nandi. Nandi, das Reittier des Gottes Shiva, wurde 1659, also genau 300 Jahre vor meiner Geburt, in harten Fels gehauen. Chamundi ist übrigens ein Aspekt der Göttin Parvati, der Gemahlin Shivas und der nach ihr benannte Berg zählt zu den 8 heiligen Bergen Indiens. Nach vielen Indienreisen habe ich jedoch den Eindruck die Zahl der heiligen Berge in Indien ist nahezu unermesslich. 

Nach der anstrengenden Bergbesteigung bietet der Markt in Mysore ein wenig Entspannung

Nach dem Spaziergang über den Markt fasse ich den Plan, am nächsten Tag aufs Land hinaus zu fahren, um zu sehen, ob der Reis bereits geerntet ist. 

Ich habe Glück: die erste Reisernte ist zwar schon eingebracht, der spät gepflanzte Reis wird jedoch erst in ca. 4 Wochen gedroschen. Ziel der Fahrt, die ich durch abgelegenes Gelände mit dem Taxi unternahm, war der Keshava Tempel in Somnathpur, der 1228 erbaut wurde.

Nicht mit dem Ochsenkarren - hier wird in einem Park Laub aufgeladen - , sondern mit dem Nachtbus fuhr ich einige Tage später von Mysore ca. 8 Stunden lang Richtung Norden in die alte Königsstadt Hampi.

Eine atemberaubende Landschaft, unzählige Ruinen von Palästen und Tempeln, ein kleines Dorf, das fast nur aus Gästehäusern und kleinen Restaurants besteht: das ist Hampi heute. Die Vijayanagar-Dynastie, eine der mächtigsten Hindu-Dynastie Indiens gründeten  hier im Jahre1336 die Hauptstadt ihres riesigen Reiches, das zeitweise den halben Subkontinent umfasste. 

 Die Tempelelefantenkuh Lakshmi traf ich bei ihrem morgendlichen Wellnessbad an, das sie verwöhnt von zwei Badewärtern sichtlich genießt. 

Ihre täglicher Tempeldienst ist schwer: von den Tempelbesuchern nimmt sie bescheiden eine Rupie mit ihrem eleganten Rüssel entgegen, um dann die SpenderIn großzügig zu segnen, indem sie mit dem Rüssel liebevoll über den Kopf streichelt.  

Mal sehen, ob's auch bei mir klappt...

Ja, geht doch!

Schwer ist der Abschied von dieser sensiblen Tempeldame und doch geht die Reise weiter, der Wagen wartet schon...

... die Höhlentempel von Badami im Norden von Karnataka sind mein Ziel.

 

Badami war von 540-757 Hauptstadt des Chalukyareiches, auch die Mehrzahl der Höhlen dürfte in dieser Zeit entstanden sein. In den Höhlentempeln finden sich Shivaistische, Vishnuitische, buddhistische und jainistische Motive. 

Badami liegt in einer ländlichen Region und so konnte ich auch den Anbau des Zuckerrohres - in Indien gibt es keine Zuckerrüben -  im Foto festhalten. Das war einfach, da alle Stadien des Wuchses und Teile der unmittelbaren Verarbeitung zu beobachten waren.

Die Pflanzung,

der Wuchs bis zur Ernte mit den leichten schönen "Federbüscheln",

der Transport der geernteten Zuckerrohre ...

... und das Pressen des beliebten Zuckerrohrsaftes.

Meine Weiterreise von Badami in den kleinen Bundesstaat Goa an der Westküste Indiens war mühselig. Die Reise sollte 10 Stunden dauern, doch der Deluxe - Bus hatte eine Reifenpanne, so kam ich in Panaji, der Hauptstadt Goas am Arabischen Meer erst bei Sonnenuntergang an.

Dass Goa noch bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts portugiesische Kolonie war, ist auch heute noch deutlich zu spüren: es gibt leckeren Tee und leckeren Kaffee, Chapati und Weißbrot, Tempel und Kirchen. 

  

Kirche "Mariä Verkündigung" in Panaji, 1541 geweiht. Hier bedankten sich die "Nachfahren" Vasco da Gamas für ihre glückliche Ankunft in dem paradiesischen Land oder dort, wo der Pfeffer wächst.

Und trotz tropischer Temperaturen von bis zu 32° C im Schatten, herrlicher Sandstrände und einer Wassertemperatur von ca. 26°C mitten im Dezember ...

... ist das Herannahen des Weihnachtsfestes unübersehbar und alles bereitet sich vor.

Für mich ist dies ein Zeichen mich zu sputen, denn vor dem Weihnachtsfest steht noch die Megastadt Mumbai (Bombay) auf meinem Programm. Und hier will ich natürlich mit dem Zug kommend in der berühmten Victoria Station, die jetzt Chhatrapati Shivaji Terminus heißt, eintreffen.

In Karmali (Goa) fahre ich los... 

... und komme nach ca.10 Stunden Fahrt in Mumbai an.

 Ind hier ist die Fassade des berühmten Bahnhofs in Großformat.

Nicht weniger bedeutend ist der Triumphbogen "Gateway of India" am Hafen.1948 verließen die letzten britischen Truppen durch dieses Tor Indien. 

So schief wird der Triumphbogen, wenn man ihn vom Schiff aus fotografiert, das mich zur mythenreichen Insel Elephanta brachte. Auf dieser Insel befinden sich Höhlentempel aus der Zeit zwischen 450 und 750, deren geschichtliche Einordnung bis heute im Dunkeln liegt.

Die Trimurti: Brahma, Vishnu, Shiva: Schöpfer, Erhalter, Zerstörer.

Diese Beschreibung trifft auch auf die Mumbai Cabs, das heißt auf deren Fahrer, zu: sie sind Schöpfer, Erhalter, Zerstörer. 

Taxis sind in Mumbai das wichtigste Verkehrmittel für Fremde, obwohl es hier auch Stadt- und U-Bahnen gibt. Die ganze Stadtbesichtigung Mumbais schaffe ich mit Hilfe von Taxis in 3 Tagen. Na ja, auch die Kunst des Weglassens will geübt sein...

Leider nicht mit einem Bombay-Taxi, mit dem ich so gern unterwegs war, 

...sondern mit einem Nachtzug ging es von Mumbai Richtung Norden nach Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthans: 15 Stunden Fahrt erwarteten mich. 

Nach glücklicher Ankunft wurde ich von Frau Prof. Hamsa Vahini Singh abgeholt, der Leiterin des Fachbereichs Germanistik der Frauenuniversität Banasthali Vidyapith. 

Der Glücksgott Ganesh erwartete mich ebenso freudig wie die liebe Hamsa.

Weihnachtsferien oder - feiertage gibt es an der Uni nicht, und so begann ich schon am Tag meiner Ankunft mit dem Unterricht. Täglich von 7.00-9.00 Uhr und von 17.00-19.00 Uhr hielt ich Deutschseminare für die Studentinnen, in denen Kommunikationstraining und Landeskunde Deutschland im Vordergrund standen.  

Während des Tages bereitete ich mich auf den Unterricht vor oder besuchte Bekannte, mit denen ich mich seit meinem Aufenthalt in Banasthali im Herbst 2005 noch verbunden fühle.

So war ich zum Beispiel zu Besuch bei meinem Schneider Mukesh und seiner Familie ...

... und bei Frau Manorama Sharma (im Bild rechts), der Leiterin eines Studentinnenwohnheims in Banasthali, mit der mich eine besonders innige Freundschaft verbindet.

Den ersten Weihnachtsfeiertag verbrachte ich in Ajmer zusammen mit der Familie von Hamsa und deren Freunden. Vor meiner Abreise hielt ich an 2 Hochschulen in Jaipur kleinere Vorträge und wurde anschließend herzlich darum gebeten bald wieder zu kommen und über einen längeren Zeitraum zu unterrichten. Während einer längeren Unterhaltung nach den Vorträgen stellte sich zu unserer Überraschung heraus, dass Hamsa sowie Prof. J.P.Karna (International College for Girls, Jaipur) und ich einen gemeinsamen Lehrer hatten: Prof. R.P Jain von der Jawaharlal Nehru Universität in Delhi. Er war der Germanistiklehrer von Herrn Karna und Hamsa und während seiner Berufstätigkeit an der Uni Münster mein Hindilehrer!

Prof. German Dpt. J.P.Karna (International College for Girls, Jaipur) und Prof. German Dpt. Hamsa Vahini Singh (Frauenuniversität Banasthali Vidyapith)

Mit diesem Tag ging eine fünfwöchige, zauberhafte Reise zu Ende. 

 

Wer sich selbst der Versenkung weiht

 und in allem das gleiche erkennt,

 sieht sich selbst in allen Wesen wohnen

 und alle Wesen in sich selbst.

 

Bhagavadgītā, 6.Gesang, Vers 29

 

 

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